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Klaus Sonnenburg
Klaus Sonnenburg wurde 1927 in Brandenburg/Havel geboren. Nach frühen ersten kompositorischen Arbeiten begann er 1948 sein Musikstudium in Berlin und erhielt Kompositionsunterricht beim Direktor des Berliner Konservatoriums, Heinz Tiessen, später bei diesem auch an der Westberliner Hochschule für Musik in Charlottenburg. Darüber hinaus war Klaus Sonnenburg Schüler von Boris Blacher und Ernst Pepping gewesen und hatte Kurse bei Paul Hindemith, Wolfgang Fortner sowie Olivier Messiaën besucht. Als Pianist trat er in dieser Zeit solisitsch in Konzert und Rundfunkt auf und war Hauspianist der berühmten Choreographin Tatjana Gsovsky beim Berliner Ballett. Von 1959 bis 1992 war Klaus Sonnenburg beim Stadttheater Bern engagiert, zunächst als Korrepetitor, später als Komponist und Kapellmeister. In enger Zusammenarbeit mit dem Radio Studio Bern entstanden diverse Schauspiel-, Märchen-, Film- und Hörspielmusiken, daneben aber auch Werke für Gesang, Chor, Orchester, Ballett, Opern, verschiedene Kammermusikstücke und mehrere Auftragswerke. 1982 wurde Sonnenburg als Professor an das damalige Konservatorium für Musik (heute HKB) der Stadt Bern berufen. Seit 1992 lebt Klaus Sonnenburg in Uettligen bei Bern im (Un-)Ruhestand und arbeitet intensiv an Auftragskompositionen. Werkverzeichnis (Auswahl)
Aucassin und Nicolette (Ballett, 1966/67) Concerto Sinfonico für Violine und grosses Orchester (1987/88) Kirchliche Tänze. Suite in drei Sätzen für Flöte, Violine und Orgel (1995) Helena (Oper zu Goethes Faust II, 3. Akt, 1997) Moments Musicaux (7 Sätze für Sextett, 1999) Dithyrambe. Hymnische Kantate nach J. W. Goethe und F. Schiller für 4 Soli, gemischten Chor und Orchester (2000/01)
Zahlreiche Liedvertonungen für Solostimme und Chor. Zahlreiche weitere Kompositionen für Schauspiel, Ballett und Hörspiel.
Sie verstehen sich als Brückenbauer zwischen Tradition und Moderne. Wie kommen Sie mit dieser Rolle zurecht?
Diese Brücke zu bauen zwischen der Tradition und der heutigen Zeit bringt Probleme mit sich, weil man gewissermassen zwischen allen Stühlen sitzt. Der grösste Teil der Musikhörer verharrt ja bei der Barockmusik, der Klassik und der Romantik, Gustav Mahler ist so ziemlich das Modernste, und Richard Strauss – darüber hinaus wollen sie nicht mehr, ungern, nicht wahr. Die Musik, die ich schreibe, ist zwar modern, fusst aber auf der Vergangenheit, also auf der Tradition. Ich schreibe immer noch Harmonien, Melodien, wenn man das so nennen darf, was ja heute oft völlig fehlt. Das bringt mit sich, dass die Zuhörer vieles, was ich mache, nicht mögen, weil sie es zu modern finden. Und dann die so genannten Modernen, Boulez oder Holliger, für die ist das, was ich schreibe, zu altmodisch. Das ist das Problem. Ach, das ist ja ein Spätromantiker, heisst es dann. Man macht es also beiden Seiten nicht recht.
Wie sind Sie auf die Vertonung des Hesse-Gedichts "An die Freunde in schwerer Zeit" gekommen?
Ich habe früher in meiner Berliner Zeit sehr viele Texte vertont, für Chor und als Lieder. Ich war eigentlich fast ein Liederkomponist. Und dieser Text ist mir damals schon sehr unter die Haut gegangen. Ich war damals ein Fan von Hermann Hesse, habe sehr viele Hesse-Texte vertont. Ich habe einen Zyklus von Liedern gemacht nach Hesse-Texten, habe alle Gedichte von Hesse gekannt und geliebt, und mich sehr mit ihm befasst und identifiziert. Es war ja eine schwere Zeit nach dem Kriege. Ich bin ja in einem Alter (76), wo ich das noch mitbekommen habe. Mit 16 Jahren wurde ich an die Kanone gestellt, als so genannter Luftwaffenhelfer. Die ganze Zeit nach dem Krieg war so hart, mit Hunger und Frieren, es war unglaublich. Und deswegen war ich seelisch sehr aufgeschlossen gegenüber solchen Texten. Die Aussage dieses Textes, die ja auch sehr viel Religiosität offenbart, Gläubigkeit, war damals genau mein Denken. Ich habe gesagt: ja, das ist es, das muss man vertonen.
Was hat Sie zu einer Neukomposition bewogen so lange Zeit später?
Erstens mal weil mir der Text wieder sehr nahe gegangen ist, (...) und weil ich die Absicht hatte, es reicher zu machen, besser vielleicht. 1950, da war ich 24 und noch nicht so weit wie heute. Da hab ich gesagt: jetzt diesen Text noch einmal, heute, in meinem Alter: das wär doch was. Ein eher künstlerisches Interesse, nochmals dasselbe vorzunehmen und noch etwas Gelungeneres, Vollendeteres zu schaffen. (...) Das gibt's ja öfter, dass Komponisten Jugendideen aufnehmen und versuchen, daraus etwas Besseres zu machen.
24. Oktober 2003 (Interview: Thomas Meyer)
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aktualisiert: 28.05.07 Homepage erstellt von D. Looser. Für Fragen/Anregungen: webbech21@yahoo.de |